Liebe Geschwister im Herrn Jesus Christus,
immer wieder taucht eine bekannte philosophische Frage auf:
„Kann der allmächtige Gott einen Stein erschaffen, den er selbst nicht heben kann?“
Als mir diese Frage einmal gestellt wurde, wusste ich zunächst keine Antwort darauf. Viele Menschen bringen sie vor, um Zweifel an Gottes Allmacht zu säen. In der Philosophie spricht man dabei vom sogenannten Allmachtsparadoxon.
Die Argumentation dahinter lautet ungefähr so:
Wenn Gott einen Stein erschaffen kann, den er nicht heben kann, dann ist er nicht allmächtig, weil er ihn nicht heben kann.
Wenn Gott keinen solchen Stein erschaffen kann, dann ist er ebenfalls nicht allmächtig, weil er ihn nicht erschaffen kann.
Auf den ersten Blick wirkt diese Frage klug und logisch. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass sie auf einem Denkfehler beruht.
Allmacht bedeutet nicht logische Widersprüche
Manchmal hört man die Formulierung:
„Gott kann alles tun, was möglich ist.“
Die Bibel drückt es sogar noch stärker aus. Jesus sagt:
„Bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott; denn bei Gott sind alle Dinge möglich.“ (Markus 10,27)
Auf den ersten Blick könnte man denken, dass damit absolut alles gemeint ist. Doch wenn wir die Bibel im Zusammenhang betrachten, erkennen wir, dass Gottes Handeln immer mit seinem Wesen und seinem Willen übereinstimmt.
Gott ist nicht nur mächtig – er ist auch die Wahrheit.
Jesus selbst sagt:
„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ (Johannes 14,6)
Darum kann Gottes Natur niemals im Widerspruch zu sich selbst stehen. Die Schrift sagt ausdrücklich:
„Er kann sich selbst nicht verleugnen.“
(2. Timotheus 2,13)
Wenn die Bibel also sagt, dass für Gott alle Dinge möglich sind, bedeutet das nicht, dass Gott Unsinn oder logische Widersprüche verwirklicht. Es bedeutet vielmehr, dass nichts seinen Willen und seine Macht begrenzen kann.
Alles, was Gott tut, geschieht in vollkommener Übereinstimmung mit seinem heiligen Wesen, seiner Wahrheit und seiner Weisheit.
Gerade deshalb kann Gott nicht lügen, nicht sündigen und sich nicht selbst widersprechen. Das ist keine Einschränkung seiner Macht – sondern ein Ausdruck seiner vollkommenen Natur.
Die Frage enthält bereits einen Fehler
Das sogenannte Allmachtsparadoxon verlangt im Grunde Folgendes:
Ein allmächtiges Wesen soll etwas erschaffen, das seine eigene Allmacht aufhebt.
Doch wenn ein Wesen seine Allmacht verliert, ist es definitionsgemäß nicht mehr allmächtig. Die Frage fordert also gleichzeitig:
• Gott ist allmächtig
• Gott ist nicht allmächtig
Damit beschreibt sie keinen möglichen Zustand der Realität, sondern einen Selbstwiderspruch.
Der Kirchenvater Augustinus formulierte es einmal so:
Gott wird nicht deshalb „nicht allmächtig“ genannt, weil er nicht sterben oder irren kann.
Auch der Theologe Thomas von Aquin erklärte:
Was einen Widerspruch in sich trägt, gehört nicht zum Bereich des Möglichen und fällt daher nicht unter die göttliche Allmacht.
Nicht alles, was man grammatisch formulieren kann, beschreibt auch eine wirkliche Möglichkeit.
Eine wichtige Frage: Ist Gott nicht am Kreuz gestorben?
Manche Leser fragen an dieser Stelle vielleicht:
„Aber ist Gott nicht in Jesus Christus gestorben?“
Die Bibel lehrt, dass Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich ist.
„Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“ (Johannes 1,14)
Der ewige Sohn Gottes nahm eine menschliche Natur an. In Jesus begegnen wir daher einer Person mit zwei Naturen – einer göttlichen und einer menschlichen.
Die göttliche Natur Gottes ist unsterblich. Gott kann nicht aufhören zu existieren.
Die menschliche Natur Jesu hingegen konnte leiden, hungern, müde werden – und auch sterben.
Am Kreuz starb Jesus daher in seiner menschlichen Natur, nicht in seiner göttlichen Natur. Sein Körper starb und wurde ins Grab gelegt, doch seine göttliche Natur hörte niemals auf zu existieren.
Gerade darin liegt das Wunder des Evangeliums:
Der unsterbliche Gott wurde Mensch, damit er unsere Sterblichkeit auf sich nehmen und für uns sterben konnte.
„Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst.“ (2. Korinther 5,19)
Der Gott der Bibel ist keine abstrakte Macht
Ein weiterer Fehler vieler philosophischer Einwände ist ihr Gottesbild.
Sie stellen sich Gott oft als eine unpersönliche kosmische Kraft vor, die jede denkbare Handlung ausführen müsste.
Doch der Gott der Bibel ist kein abstraktes Prinzip.
Er ist:
• ein persönlicher Gott
• ein heiliger Gott
• ein Gott der Wahrheit
• ein Gott voller Weisheit
Und dieser Gott hat sich uns in Jesus Christus offenbart.
Darum erkennen wir Gott nicht durch spekulative Gedankenspiele, sondern durch das, was er über sich selbst offenbart hat.
Eine ähnliche Versuchung finden wir in der Bibel
Interessanterweise erinnert diese Art von Frage an eine Szene aus dem Evangelium.
„Und der Teufel sprach zu ihm:
Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich zu diesem Stein, dass er Brot werde.
Und Jesus antwortete ihm:
Es steht geschrieben:
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort Gottes.“
(Lukas 4,3–4)
Der Versucher wollte Jesus dazu bringen, seine Macht zu demonstrieren. Doch Jesus ließ sich nicht auf diese Art von Herausforderung ein.
Viele philosophische Fangfragen funktionieren ähnlich: Sie versuchen, Gott in ein künstliches Gedankenspiel zu verwickeln.
Warnung vor leerer Philosophie
Die Bibel warnt uns sogar ausdrücklich vor Gedankengebäuden, die von Christus wegführen können.
„Habt acht, dass euch niemand beraubt durch Philosophie und leeren Betrug nach der Überlieferung der Menschen, nach den Grundsätzen der Welt und nicht Christus gemäß.“ (Kolosser 2,8)
Nicht jede Philosophie ist falsch. Doch viele Gedankensysteme entstehen aus einem Weltbild, das Gott bewusst ausschließt.
Darum wirken manche Fragen zwar klug, führen aber letztlich in die Irre.
Der wahre Beweis von Gottes Macht
Am Ende entscheidet sich der christliche Glaube nicht an philosophischen Rätseln, sondern an einer Person: Jesus Christus.
Die Frage nach einem Stein, den Gott nicht heben kann, ist ein gedankliches Spiel. Doch das Evangelium ist keine Theorie, sondern eine Wirklichkeit.
Gott hat seine Macht nicht dadurch gezeigt, dass er Paradoxien löst, sondern dadurch, dass er Sünde, Tod und Hölle überwunden hat.
Am Kreuz sehen wir die größte Offenbarung seiner Macht und seiner Liebe zugleich. Dort trug Jesus unsere Schuld, dort wurde der Preis für unsere Erlösung bezahlt, und dort begann der Sieg über den Tod, der in der Auferstehung sichtbar wurde.
Darum ruht unser Glaube nicht auf menschlicher Philosophie, sondern auf dem lebendigen Sohn Gottes.
Wer in Christus gegründet ist, braucht sich vor solchen Fragen nicht zu fürchten.
Denn unsere Hoffnung steht fest –
im gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus.

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